19.10.2009
„Die Europäische Union riskiert, in ganz Europa Kulturlandschaften zu zerstören, die in Jahrhunderten gewachsen sind.“ Die Idee, jeder dürfe Rebstöcke pflanzen, wo er gerade wolle, sei absurd. Mit dieser harschen Kritik wies der baden-württembergische Genossenschafts-Präsident Gerhard Roßwog das Vorhaben der EU zurück, den Anbaustopp für Reben im Jahr 2015 aufzuheben. Wären die Rebanpflanzungen freigegeben, würden Flächen bald brach liegen, die schwer zu bewirtschaften sind. „Das trifft vor allem die Steillagen.“ Die Kulturlandschaft in Baden-Württemberg würde sich gravierend verändern. „Und dann stirbt als nächstes der Tourismus. Unsere Kulturlandschaft darf nicht auf dem Altar des freien Marktes geopfert werden.“ „Was wir brauchen, ist eine neue Phase der Flurbereinigung. Sie muss dafür sorgen, dass der Weinbau in seinen angestammten Lagen bleibt, aber dass die Bewirtschaftung der Weinberge weiter erleichtert wird.“ Darauf sei vor allem der Winzer im Haupterwerb, aber auch im Nebenerwerb angewiesen.
„Deutschland ist der viertgrößte Weinmarkt und der weltgrößte Importmarkt. Deshalb ist ein aktives und exzellentes Marketing für den deutschen und den badischen Wein existenziell wichtig“, unterstrich Roßwog. Auf nationaler Ebene nehme der Deutsche Weinfonds die Aufgabe des gemeinschaftlichen Marketings wahr. Die deutsche Weinwirtschaft könne auf eine derartige Einrichtung nicht verzichten. „Wir haben unseren Genossenschaften deshalb den Rat gegeben, zum Weinfonds zu stehen.“ Die Herausforderung für die Genossenschaften und die Weinwirtschaft insgesamt heiße nun, im kommenden Jahr die neuen Möglichkeiten auszuloten und sich auf gemeinsame Konzepte zu verständigen. Mehr denn je sei jede Winzergenossenschaft gefordert, sich selbst als Qualitäts-Marke zu profilieren.