9.4.2010
Adolf Heinrich, Ur-Heilbronner und Ur-Wengerter, hat ein bemerkenswertes Buch vorgelegt: eine dreifache Liebeserklärung an die eigene Familie, an den Wein und den Berufsstand, an seine Heimatstadt Heilbronn. Das 216 Seiten starke „Spätwerk“ ist ein Lesebuch für alle, die mehr über Heilbronn und die Menschen, die hier leben, erfahren wollen, und ein Muss für Heilbronn- oder/und Wein-Liebhaber.

Adolf Heinrich (84) erzählt Stadtgeschichte aus vollem Herzen oder – wie Heilbronns Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach im Vorwort formuliert – „von unten“. Die Alltagsgeschichten im besten Wortsinne zeichnen zusammen mit genau dokumentierten Fakten ein Stück Alt-Heilbronn, das sich sonst nur in unterschiedlichen Texten, in Fotos und Chroniken finden lässt. Sitten und Gebräuche leben auf, die wirtschaftliche Entwicklung des Weinbaus in Heilbronn wird deutlich, Wege in die Gegenwart werden aufgezeigt, Ideen und Initiativen dargestellt – für Himmelsbach das „Spiegelbild einer Generation, der Heilbronn vieles zu verdanken hat“.
Adolf Heinrich, Ehrenringträger der Stadt Heilbronn, weiß vieles spannend zu erzählen, macht neugierig. Jedes Thema – Das Wengerthäusle, Vom „Bauwengerter“ zum Weingutsbesitzer, Besenwirtschaften, Alte Sitten und Gebräuche, Das Heilbronner Weindorf und seine Vorgeschichte – ist eine abgeschlossen Geschichte, die sich nahtlos in ein Panorama der Stadtgeschichte einfügt.
Schwierige Zeiten wie das Dritte Reich werden nicht verschwiegen, die Soldatenzeit nicht glorifiziert. Anekdoten reizen zum Schmunzeln. Von Freunden wie Hermann Bosch, Wilfried Hartmann, Peter Käss, Gustl Schneider erlebt man neue Seiten. Natürlich steht zwischen allen Themen immer wieder der Wein, die Rebe, die Lese, das Keltern.
Adolf Heinrich hat ein ehrliches Buch geschrieben – über „Liebe, Lore und Heirat“, „Die junge Familie“, die „Enkel und Urenkel“, Lions-und Kegelclub, das „zweite Leben“ nach einem Unfall im Weinberg – als Gemeinderat, Inspirator und „erster Mitarbeiter“ von Weinbaumuseum und Weinpanoramaweg und Skulpturenweg und Weinleseauftakt am Wartberg, als künstlerisch kreativer Wengerter, der das Kiliansmännle als stadttypisches Geschenk entdeckte und den Gedenkstein für die am 4. Dezember 1944 und im Krieg davor umgekommenen Wengerter anregte und tatkräftig umsetzte - getreu dem Motto des Kapitels auf Seite 211: „Es gibt immer einen Weg.“ Unter dem Titel „Daheim ist daheim“ verriet er 1998 in einem Beitrag über „Mein Heilbronn“ für die FAZ das Geheimnis seiner Liebe zur Stadt. Man sollte so weit lesen.
Adolf Heinrich, am 18.3.1926 in einer Wengerterfamilie geboren, hat 2006 mit diesem Buch begonnen. Vier Jahre Arbeit schlagen sich in zwei Seiten Inhaltsverzeichnis mit vielen Themen, über die man schon immer etwas erfahren wollte, nieder: „Es war eine spannende, aber auch nervenaufreibende Erinnerungsarbeit“, erinnert er sich. Sie wurde mehr und mehr zu einem Spiegelbild seiner Generation. „Bunt wie das Herbstlaub“ verlief sein Leben, an dem er uns auf 216 Seiten mit vielen historischen Bildern teilhaben lässt. „Frieden in der Familie war ein Leben lang mein sehnlichster Wunsch“, lässt er uns als Vermächtnis wissen.

Gerhard Schwinghammer
Das Buch ist im Weingut G.A. Heinrich in der Heilbronner Riedstraße 29 für 25 Euro erhältlich.