
30.4..2010
ie heimischen Wengerter, die in schwierigen Hanglagen mit hohem Aufwand und Kosten Reben bewirtschaften, sorgen sich schon jetzt stark um die Zukunft nach 2018. Spätestens dann sollen nach EU-Beschlusslage europaweit überall beliebig viele Reben gepflanzt werden dürfen. Befürchtet wird in Folge, dass in kostengünstigen Flachlagen viele neue Rebflächen entstehen und der Markt mit Billigweinen überschwemmt wird. Bei der Mitgliederversammlung des Weinbauverbandes Württemberg am 30. April in Besigheim stand der Kampf um das derzeitige EU-Pflanzrecht – den Anbaustopp – an erster Stelle in einer Reihe von Themen, die dem Verband wichtig sind.
Der Anbaustopp muss bleiben: das verdeutlichten in Besigheim mit Nachdruck Verbandspräsident Hermann Hohl, sein Vorstandskollege Matthias Schilling und der neue Landwirtschaftsminister Rudolf Köberle. „Wir müssen noch in diesem Jahr Weichen stellen und die neue EU-Kommission auf den richtigen Weg führen. Der individuelle Qualitätsweinbau in den landschaftsprägenden Steillagen der Flussregionen steht auf dem Spiel“, mahnte Hermann Hohl. Minister Köberle sagte den Wengertern in dieser Frage bei seinem Antrittsbesuch tatkräftige Unterstützung zu. „Wir müssen Verbündete suchen und gemeinsam dafür kämpfen“, ergänzte er. Baden-Württemberg verfüge nur über 0,5 Prozent der weltweiten Rebfläche. Gleichzeitig machten er und Verbandspräsident Hermann Hohl den Wengertern Hoffnung. Europaweit seien alle Weinbauregionen für einen Erhalt des Anbaustopps. Hohl setzt zudem auf das Europaparlament und dessen erweiterte Kompetenzen: „Ich gehe davon aus, dass das EU-Parlament hinter uns steht“.
Rudolf Köberle nannte die drei Faktoren Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit, die den Weinbau in Baden-Württemberg bestimmen müssen. „Wir können mit Masse keine Schlachten gewinnen“. Gleichwohl sei es notwendig, die Kosten zu senken und das Marketing zu verbessern. Köberle sagte den Wengerten dabei Unterstützung zu und verwies auf das laufende Struktur- und Qualitätsprogramm.
Verbandspräsident Hermann Hohl skizzierte in seiner Rede zur Weinmarktpolitik weitere Hausaufgaben für Württembergs Weinwirtschaft und die Politik. So wünscht er sich, dass Kosten, die durch Betriebsfusionen entstehen, stärker als bisher gefördert werden. Zudem, so Hohl, dürfe eine fachgerechte Bewirtschaftung nicht durch realitätsferne Naturschutzmaßnahmen eingeschränkt werden. „Uns muss man Naturschutz nicht erklären, wir praktizieren ihn“, betonte er. Deutlichen Nachholbedarf sieht er bei der Entwicklung des Weintourismus im Land. Es gehe noch zuviel kreuz und quer. Zählbare Erfolge ließen auf sich warten. Hohl forderte, die auf zwei Jahre befristete Fachstelle für Tourismus und Architektur bei der Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg zu erhalten. Minister Köberle sagte zu, dies „mit außerordentlich großem Wohlwollen“ zu prüfen
Verbandspräsident Hermann Hohl sprach sich zudem erneut für die Einrichtung einer „Agrarschau Baden-Württemberg“ aus. Mit solch einer Messe könne das Genießerland Baden-Württemberg umfassend dargestellt werden. „Genießen und nicht saufen“ lautet für ihn auch die generelle Linie beim Weinkonsum. Hohl sprach sich dafür aus, gemeinsam mit den Fachministerien über verantwortungsbewussten Weinkonsum aufzuklären. Walter Eberenz