5.6.2010
Baden-Württemberg hat mit Rudolf Köberle (56) seit dem 24. Februar 2010 einen neuen Minister für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz. Rebe & Wein hat mit ihm gesprochen.
Rebe & Wein: Welchen Stellenwert geben Sie den Weinbauverbänden in Baden-Württemberg?
Köberle: Die Weinbauverbände leisten eine außerordentlich wichtige Arbeit, zum Beispiel bei der Ausgestaltung der EU-Weinmarktorganisation sowie des Weinrechts auf Bundes- und Landesebene. Wir sollten die bisher schon gute Zusammenarbeit zwischen Ministerium und Verbänden verstärkt nutzen, um die anstehenden Themen erfolgreich umzusetzen. Mein Ziel ist es, den Schulterschluss zwischen Weinwirtschaft, Politik und Verwaltung zu festigen. Ich wünsche mir, dass wir in den maßgeblichen Gremien zum Wohl der heimischen Weingärtner mit einer Zunge reden.
Rebe & Wein: Welche Schwerpunkte wollen Sie bis zur Landtagswahl im März 2011 setzen?
Köberle: Der heimische Weinbau ist so erfolgreich, weil unsere Weine eine sehr hohe Qualität haben, aber auch weil wir sie in Deutschland als landestypische Rebsorten offensiv vermarkten. Es gilt, die Position zu stärken und weiterzuentwickeln. Ein Schwerpunkt der Arbeit in den nächsten Monaten ist die Ausgestaltung des neuen Bezeichnungsrechtes und die Fortschreibung der EU-Fördermaßnahmen für den Weinbau. Das Land wird den baden-württembergischen Weingärtnern ein verlässlicher Partner sein, wenn es beispielsweise darum geht, ihre Belange im Weinrecht zu verankern.
Rebe & Wein: Der Qualitätsweinbau in den landschaftsprägenden Steillagen der Flussregionen steht auf dem Spiel.
Köberle: Der Steillagenanbau ist ein Markenzeichen und ein Alleinstellungsmerkmal. Diese gewachsene Weinbaukulturlandschaft können wir nur erhalten, wenn der Anbaustopp für Reben bleibt. Unsere jahrhundertealte Weintradition in einer gewachsenen Kulturlandschaft würde sonst auf der Strecke bleiben. Der Weinbau in den Hang- und Steillagen kann nur überleben, wenn der Anbaustopp für Reben über das Jahr 2015 hinaus Bestand hat. Dafür werden wir weiterhin kämpfen. Bereits bei der Intervitis/Interfructa 2010 haben wir hierzu die Stuttgarter Resolution verabschiedet, die von den meisten europäischen Weinbauregionen mitgetragen wird.
Rebe & Wein: Im Wein-Tourismus geht noch einiges kreuz und quer. Zählbare Erfolge lassen auf sich warten. Sollten Verbände und Politik nicht eine gemeinsame Strategie entwickeln?
Köberle: Im Bereich Wein und Tourismus liegen noch große Potenziale. Zusammen mit den vielfältigen kulturellen und gastronomischen Angeboten in Baden-Württemberg können wir die heimischen Weine sehr gut vermarkten. Mit den Projekten „Wein-Architektur und Tourismus“ an der LVWO Weinsberg und „Weinbergsökologie und Tourismus“ am WBI Freiburg hat die Landesregierung diese Themen bereits angepackt. Erfahrungswerte aus anderen Regionen zeigen, dass "Weintourismus" über viele Jahre entwickelt werden muss und Erfolge sich häufig erst mittel- bis langfristig einstellen.
Rebe & Wein: Was halten Sie von einer „Agrarschau“ als regionales Schaufenster des Genießerlandes Baden-Württemberg?
Köberle: Dieses Thema müsste mit allen beteiligten Organisationen zunächst noch einmal intensiv diskutiert werden . In diesem Jahr steht für uns das Landwirtschaftliche Hauptfest, das vom 25. September bis 3. Oktober 2010 stattfindet, im Mittelpunkt. Eine Agrarschau im Stil einer „Grünen Woche“ könnte gegebenenfalls das Regional-Bewusstseins beim Verbraucher fördern und die Verbundenheit zwischen Erzeuger und Kunden stärken.
Zur Person
Rudolf Köberle war von 1982 bis 1992 im Schuldienst am Gymnasium Weingarten und dem Katholisch-freien Gymnasium (St. Konrad) in Ravensburg tätig. Von 1992 bis 2001 war er Politischer Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, von Juni 2001 bis April 2005 Minister und Bevollmächtigter des Landes Baden-Württemberg beim Bund, von April 2005 bis Februar 2010 Politischer Staatssekretär im Innenministerium und hier für die Verkehrspolitik des Landes zuständig. Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg ist er seit 20. Februar 1990 für den Wahlkreis Ravensburg. Seit 1998 ist Rudolf Köberle Präsident des Blasmusikverbandes Baden-Württemberg e. V.