
13.9.2010

Württembergs Weinkönigin Juliane Nägele mit Weinbauverbandspräsident Hermann Hohl (rechts) und Agrarminister Rudolf Köberle sowie Thomas Seibold, Vorstandsvorsitzender der Fellbacher Weingärtner eG (ganz links), bei der Herbstpressekonferenz in Fellbach.
Die ersten Reifemessungen bestätigen die Erwartungen für den Weinjahrgang 2010. „Wir dürfen mit einem Wunschherbst rechnen“, betonte Württembergs Weinbauverbandspräsident Hermann Hohl bei der traditionellen Herbstrundfahrt erstmals mit Minister Rudolf Köberle und Weinkönigin Juliane Nägele an diesem Montag in Fellbach: „Die Qualität wird sehr gut.“ Nach den Messungen der Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg ist mit fruchtigen und aromatischen Weinen zu rechnen. Minister Köberle griff in den Weinbergen am Fellbacher Kappelberg selbst zum Refraktometer, um sich von den aktuellen Werten zu überzeugen.
Nach einzelnen Frühstart-Lesen und der Ernte der frühen Sorten in den letzten September-Wochen wird die Hauptlese mit den Württemberger Traditionssorten Trollinger, Lemberger und Riesling nach Einschätzung Hohls nicht vor Anfang Oktober begonnen. Die Zeitverzögerung durch das Frühjahrsklima sei nicht aufzuholen. Der kalte Jahresauftakt sorgte zusammen mit einem kühlen und nassen Mai für die verspätete Blüte, die am 22. Juni einsetzte. Den Reifebeginn terminiert Weinsberg auf den 23. August. Die verlangsamte Reife werde aus den spätreifenden Sorten wie Trollinger und Riesling stabile Weine machen, „an denen man lange Freude hat“, so Hohl. Der heiße Juli und der regnerische August waren wichtig für die Qualitätserwartungen. Die Trauben seien gesund. Hohl: „Die letzten Wochen vor der Ernte werden entscheiden sein.“
Fest steht jetzt schon, dass das die verzögerte Blüte in Württemberg zu einer unterdurchschnittlichen Erntemenge führt. Hohl: „Den sehr guten Qualitäten steht je nach Sorte 10 bis 20 Prozent weniger Menge gegenüber.“ In Württemberg erwartet man unter einer Million Hektoliter. 2009 gab es 1,1 Millionen Hektoliter und 2008 1,136 Millionen Hektoliter Weinmost. Von einzelnen Sorten abgesehen seien aber insgesamt keine Lieferengpässe zu befürchten: „Der Genießer Württemberger Weine wird auch 2010 eine gute Auswahl haben.“ Die geringere Erntemenge wird aufgrund des geringeren Absatzes von deutschem Wein im eigenen Land und im Export zur Preisstabilität beitragen, erwartet Hohl.

Baden-Württembergs „Weinminister“ Rudolf Köberle hat es den Wengertern ins Stammbuch geschrieben: „Wer Wein verkaufen möchte, muss sich konsequent an den Möglichkeiten auf Absatzmärkten orientieren“, sagte er bei der Herbstfahrt des Weinbauverbandes Württemberg in Fellbach.
Politisch spielt für ihn „die Weiterführung des Anbaustopps für Reben eine zentrale Rolle. Der Beschluss, den Anbaustopp für Reben aufzuheben, muss unbedingt revidiert werden.“ Der Verzicht auf die bestehenden Anbauregeln würde den Bemühungen um die Förderung von Weinqualität und den Erhalt gewachsener Kulturlandschaften und Weinbausteillagen „massiv“ zuwider laufen. Minister und Präsident kündigten auf der Basis der „Stuttgarter Resolution“ vom März dieses Jahres - unter anderem zum Erhalt des Steillagenweinbaus - für Anfang Dezember Gespräche in Brüssel zur Reform der Weinmarktordnung an.
Für den Agrarminister steht die Weinbranche „unter einem enormen Qualitäts-, Preis- und Kostendruck“. Deshalb unterstütze das Land mit rund 52 Millionen Euro aus EU-Mitteln bis 2014 verstärkt Maßnahmen zur Absatzförderung von Wein in Drittländern, die Förderung von Investitionen sowie die Modernisierung von Rebflächen, insbesondere der Hang- und Steillagenflächen. Für diese drei Bereiche werden die Mittel nach dem Prinzip „mehr für Investitionen statt Interventionen“ erhöht.
„Froh“ ist Köberle, „dass es gelungen ist, das deutsche Weinbezeichnungsrecht mit den Qualitätsstufen und den Lagen- und Bereichsbezeichnungen zu erhalten.“ „Große Potenziale“ sieht der Minister im Bereich Wein und Tourismus: „Ein Schatz, der noch gehoben werden muss.“

Beim Herbstgespräch in Fellbach dabei: von rechts Thomas Seibold (Fellbacher Weingärter eg), Präsident Hermann Hohl, Agrarminister Rudolf Köberle, Gert Aldinger (VdP Württemberg), Jürgen Müller (Weingüter Württemberg)