25 Jahre Württemberger Weinwanderweg
Seit 25 Jahren begleitet jetzt die rote Traube Wanderer durch die Württemberger Weinlandschaft. Der Schwäbische Albverein pflegt den Württemberger Weinwanderweg.

News

21.10.2010

Kleinster Herbst seit 1985?

„Nach aktuellen Prognosen ist zu erwarten, dass die Weinernte in Württemberg dieses Jahr so gering ausfällt wie seit 25 Jahren nicht mehr. Allerdings hat vor allem der sonnige Herbst dazu geführt, dass ein qualitativ guter Jahrgang heranreifen konnte“, sagten der Minister für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, Rudolf Köberle MdL, und der Präsident des Weinbauverbands Württemberg e. V., Hermann Hohl anlässlich einer gemeinsamen Weinlese in Stuttgart-Rotenberg.

Während im Jahr 2009 in Württemberg noch rund 1,1 Millionen Hektoliter Weinmost erzeugt worden seien, rechneten die Experten für den laufenden Herbst mit einer Erntemenge von maximal 750.000 Hektolitern. Obwohl die Qualität sehr gut sei, führe dies zu erheblichen Einkommenseinbußen für die Wengerter in Württemberg. „Vor allem der lange und kalte Winter sowie der verregnete Juni macht den Winzerinnen und Winzern nun zu schaffen“, erklärte Minister Köberle.

Neben Witterungseinflüssen bereite den Weinbauern vor allem die Umwälzungen innerhalb der europäischen Weinbaupolitik den Weinbauern Sorgen. „Der Beschluss Brüssels zum Auslaufen des Anbaustopps von Reben im Jahr 2015 wird erheblichen Einfluss auf die Lage des Weinbaus im Land haben“, erklärte Köberle. Falle der Anbaustopp, so werde der Weinmarkt mit Massenweinen überschwemmt. Dies sei nicht im Sinne der Verbraucher, die zunehmend auf regionaltypische und qualitativ hochwertige Weine zurückgreifen würden. „Der Beschluss, den Anbaustopp für Reben aufzuheben, muss im Zuge der für das Jahr 2013 vorgesehenen Halbzeitbewertung der Gemeinsamen Weinmarktorganisation unbedingt revidiert werden“, betonte Köberle.

Weinlese in Rotenberg. Bilder: Walter Eberenz

Gemeinsam für Erhalt des Anbaustopps
Der Verzicht auf die bestehenden Anbauregeln würde den Bemühungen um die Förderung von Weinqualität und den Erhalt gewachsener Kulturlandschaften und Weinbausteillagen massiv zuwider laufen. Das Land habe hierzu gemeinsam mit den Weinbauverbänden sowie Vertreterinnen und Vertretern aus anderen europäischen Ländern dieses Jahr in Stuttgart einen Steillagenkongress durchgeführt. Ziel sei es gewesen, den Weinbau in Hang- und Steillagen und den Anbaustopp für Reben zu erhalten. Dabei sei es gelungen, mit vielen europäischen Partnern die ‚Stuttgarter Resolution‘ ─ unter anderem zum Erhalt des Steillagenweinbaus ─ zu verabschieden. Auf der Basis dieser Resolution würden in den nächsten Monaten Gespräche in Brüssel zur Reform der Weinmarktordnung geführt werden.

Land fördert heimischen Weinbau
„Baden-Württemberg hat in Zusammenarbeit mit den Verbänden ein Struktur- und Qualitätsprogramm für den Weinbau geschaffen“, sagte der Minister. In diesem Zusammenhang seien im Jahr 2010 rund 8,5 Millionen Euro an Fördermitteln an die Winzerinnen und Winzer ausbezahlt worden. Im Vordergrund seien Maßnahmen zur Modernisierung von Rebflächen sowie Investitionen zur Verarbeitung und Vermarktung von Trauben und Wein gestanden.

Auch die Förderung für die Bewirtschaftung von Terrassenweinbergen sei angehoben worden. „Kaum eine andere Bewirtschaftungsform prägt unsere Kulturlandschaft so stark, wie der Weinbau in Hang- und Steillagen mit seinen Rebterrassen und Trockenmauern. Der Steillagenweinbau ist aufgrund der typischen Flora und Fauna eine Landschaftsform mit besonders hoher ökologischer Wertigkeit. Es ist eine wichtige Aufgabe, sich für den Erhalt dieser herausragenden Bewirtschaftungsform einzusetzen“, erklärte Rudolf Köberle.

 

Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gemeinsam für Anbaustopp
21.09.2010Die Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg haben sich dafür ausgesprochen, am Anbaustopp für Reben über die Jahre 2015 beziehungsweise 2018 hinaus entgegen den Beschlüssen der EU festzuhalten. Zudem sollen nach dem Willen beider Landesregierungen den Ländern im Weinbezeichnungsrecht eigene Zuständigkeiten zur stärkeren Profilierung von Herkunftsangaben einschließlich der Steillagen im Weingesetz ermöglicht werden. Ihr Anliegen werden die beiden Landesregierungen in einem gemeinsamen Entschließungsantrag im Bundesrat einbringen, wie die Ministerpräsidenten Kurt Beck und Stefan Mappus während einer Pressekonferenz nach der gemeinsamen Kabinettssitzung der beiden Landesregierungen in Herxheim-Hayna erläuterten.
Angesichts der nach wie vor durch Überschüsse gekennzeichneten Situation am Weinmarkt ist aus Sicht beider Landesregierungen bei einer vorzeitigen Freigabe der Pflanzrechte eine Produktionsverlagerung auf Standorte zu erwarten, die eine nahezu industrielle Traubenproduktion erlaubten. „Es ist eine große Gefährdung für die traditionellen Kulturlandschaften zu befürchten. Insbesondere der Weinbau in den Hang- und Steillagen wäre im bisherigen Umfang nicht mehr konkurrenzfähig“, so der rheinland-pfälzische Weinbauminister Hendrik Hering. „Über die Jahrhunderte hinweg wurden in Deutschland die am besten geeigneten Lagen weinbaulich erschlossen. Der Weinbau in diesen Lagen steht für Qualität, biologische Vielfalt und nachhaltige Landbewirtschaftung durch Familienbetriebe. Unser Ziel ist es, das Kultur- und Wirtschaftsgut Wein sowie die Identität der Weinbauregionen in Deutschland und Europa zu erhalten“, betonte der baden-württembergische Weinbauminister Rudolf Köberle. Seit Jahrzehnten bestehe ein bewährtes System von Qualitäts- und Anbauregeln. Die Qualitätsweinbauregionen hätten in diesem Sinne die Anbaugebiete für den Weinbau abgegrenzt, geeignete Rebsorten klassifiziert, Mindestmostgewichte festgelegt sowie Hektarhöchsterträge definiert. „Diese ganzheitliche Qualitätspolitik hat sich bewährt und muss daher auch fortgesetzt werden“, unterstrich Köberle. Die Forderung nach einer stärkeren Regionalisierung des Weinbezeichnungsrechtes begründete Hering vor allem mit einer auch von der Weinwirtschaft angestrebten stärkeren Profilierung der Qualitätsweine mit der Angabe kleinerer geographischer Einheiten sowie aus Steil- oder Terrassenlagen. Damit könnte die besondere Wertigkeit der in diesen Lagen erzeugten Weine gegenüber den Verbrauchern deutlich gemacht und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe gestärkt werden.
Quelle: Staatskanzlei Rheinland-Pfalz / Staatsministerium Baden-Württemberg
Die Ministerpräsidenten Stefan Mappus und Kurt Beck
 Foto: Michael WallrathRoßwog: Die Strukturen gezielt weiterentwickeln