25 Jahre Württemberger Weinwanderweg
Seit 25 Jahren begleitet jetzt die rote Traube Wanderer durch die Württemberger Weinlandschaft. Der Schwäbische Albverein pflegt den Württemberger Weinwanderweg.

News

28.10.2010

DWI: Ernte 2010 - klein, aber fein

Die deutschen Weinerzeuger werden in diesem Herbst voraussichtlich die kleinste Ernte seit 25 Jahren einbringen. Wie das Deutsche Weininstitut (DWI) bekannt gab, wird sich die Erntemenge 2010 nach den neuesten Schätzungen nur auf etwa sieben Millionen Hektoliter belaufen. Dies entspricht einem Viertel weniger als der Vorjahresertrag.

 Auch europaweit ist keine überdurchschnittliche Weinmosternte zu erwarten. Den Prognosen nach liegt sie mit 165,5 Millionen Hektolitern sechs Prozent unter dem fünfjährigen Mittel.

Qualitativ wird der Jahrgang 2010 hierzulande als gut eingestuft. Etwa ein Viertel der Gesamternte bewegt sich in diesem Jahr auf Prädikatsweinniveau.

„Der Grund für die außergewöhnlich niedrigen Erträge liegt in erster Linie in dem geringen Fruchtansatz, der durch sehr kühle Temperaturen während der Rebblüte hervorgerufen wurde“, erläuterte der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, Norbert Weber. Zudem hätten sich qualitätsfördernde Maßnahmen wie die stark selektive Lese zusätzlich ertragsmindernd ausgewirkt. Sie wurde aufgrund der extremen Witterungsverhältnisse im August nötig, um möglichst gesunde Trauben einzubringen. In einigen Regionen haben Hagelunwetter zu weiteren Ertragsausfällen geführt. „Dies war kein einfaches Jahr für unsere Winzer. Es hat ihnen starke Nerven und viel Geduld abverlangt“, so der Weinbaupräsident. Die Geduld der Erzeuger wurde mit einem goldenen Oktober belohnt, wodurch die später reifenden Rebsorten wie der Riesling, Silvaner oder die Burgundersorten noch ausgiebig Sonne tanken konnten.

Die 2010er Weine fallen insgesamt gesehen schlanker aus als der Vorgängerjahrgang. „Unsere diesjährigen Weißweine zeichnet die typisch frische Frucht und belebende Spritzigkeit aus, für die sie hierzulande und auch international geschätzt werden. Durch die gute Wasser- und Nährstoffversorgung präsentieren sie sich zudem sehr extraktreich. Auch die Rotweine werden die Weinfreunde nicht enttäuschen. Sie können sich zudem auf erstklassige edelsüße Spezialitäten des neuen Jahrgangs freuen. Es wurden Trockenbeerenauslesen mit Rekordmostgewichten von über 250 Grad Oechsle gelesen“, betonte Weber. Er geht allerdings angesichts der angespannten Ertragssituation davon aus, dass in diesem Jahr nicht viele Erzeuger noch das Risiko eingehen werden, Trauben für die Eisweinbereitung in den Weinbergen zu belassen.

Aufgrund der relativ großen Verknappung des Angebots rechnet die Branche mit leicht steigenden Weinpreisen für den aktuellen Jahrgang. „Wir erwarten allerdings keine großen Preissprünge“, erklärte DWI-Chefin Monika Reule. „Diese sind angesichts des großen Wettbewerbs auf unserem international hart umkämpften Weinmarkt und der Preissensibilität der Verbraucher nicht realisierbar. Die Marktsituation wird zudem durch relativ gute Ernteergebnisse in unseren großen Importländern wie Frankreich und Spanien verschärft, so dass es im kommenden Jahr eine Herausforderung sein wird, die Marktanteile weitestgehend zu halten. Die teilweise angekündigten Preisanpassungen werden in den meisten Fällen die entstandenen Ertragsausfälle auch nicht kompensieren können“, so Reule.

Prognostizierte Weinmosterntemengen in den deutschen Anbaugebieten 2010 

Anbaugebiet

Ernteschätzung 2010

Differenz zu 2009

Ahr

33.000 hl

+/- 0 %

Baden

900.000 hl

-25 %

Franken

320.000 hl

-29 %

Hess. Bergstraße

20.000 hl

-35 %

Mittelrhein

23.000 hl

-19 %

Mosel

675.000 hl

-17 %

Nahe

265.000 hl

-15 %

Pfalz

1.650.000 hl

-30 %

Rheingau

170.000 hl

-21 %

Rheinhessen

2.000.000 hl

-22 %

Saale-Unstrut

31.000 hl

22 %

Sachsen

11.500 hl

12 %

Württemberg

800.000 hl

-27 %

Deutschland

6.898.500 hl

-25 %

Erntebericht aus den 13 Anbaugebieten

Ernteprognosen 2010 Europa

 

Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gemeinsam für Anbaustopp
21.09.2010Die Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg haben sich dafür ausgesprochen, am Anbaustopp für Reben über die Jahre 2015 beziehungsweise 2018 hinaus entgegen den Beschlüssen der EU festzuhalten. Zudem sollen nach dem Willen beider Landesregierungen den Ländern im Weinbezeichnungsrecht eigene Zuständigkeiten zur stärkeren Profilierung von Herkunftsangaben einschließlich der Steillagen im Weingesetz ermöglicht werden. Ihr Anliegen werden die beiden Landesregierungen in einem gemeinsamen Entschließungsantrag im Bundesrat einbringen, wie die Ministerpräsidenten Kurt Beck und Stefan Mappus während einer Pressekonferenz nach der gemeinsamen Kabinettssitzung der beiden Landesregierungen in Herxheim-Hayna erläuterten.
Angesichts der nach wie vor durch Überschüsse gekennzeichneten Situation am Weinmarkt ist aus Sicht beider Landesregierungen bei einer vorzeitigen Freigabe der Pflanzrechte eine Produktionsverlagerung auf Standorte zu erwarten, die eine nahezu industrielle Traubenproduktion erlaubten. „Es ist eine große Gefährdung für die traditionellen Kulturlandschaften zu befürchten. Insbesondere der Weinbau in den Hang- und Steillagen wäre im bisherigen Umfang nicht mehr konkurrenzfähig“, so der rheinland-pfälzische Weinbauminister Hendrik Hering. „Über die Jahrhunderte hinweg wurden in Deutschland die am besten geeigneten Lagen weinbaulich erschlossen. Der Weinbau in diesen Lagen steht für Qualität, biologische Vielfalt und nachhaltige Landbewirtschaftung durch Familienbetriebe. Unser Ziel ist es, das Kultur- und Wirtschaftsgut Wein sowie die Identität der Weinbauregionen in Deutschland und Europa zu erhalten“, betonte der baden-württembergische Weinbauminister Rudolf Köberle. Seit Jahrzehnten bestehe ein bewährtes System von Qualitäts- und Anbauregeln. Die Qualitätsweinbauregionen hätten in diesem Sinne die Anbaugebiete für den Weinbau abgegrenzt, geeignete Rebsorten klassifiziert, Mindestmostgewichte festgelegt sowie Hektarhöchsterträge definiert. „Diese ganzheitliche Qualitätspolitik hat sich bewährt und muss daher auch fortgesetzt werden“, unterstrich Köberle. Die Forderung nach einer stärkeren Regionalisierung des Weinbezeichnungsrechtes begründete Hering vor allem mit einer auch von der Weinwirtschaft angestrebten stärkeren Profilierung der Qualitätsweine mit der Angabe kleinerer geographischer Einheiten sowie aus Steil- oder Terrassenlagen. Damit könnte die besondere Wertigkeit der in diesen Lagen erzeugten Weine gegenüber den Verbrauchern deutlich gemacht und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe gestärkt werden.
Quelle: Staatskanzlei Rheinland-Pfalz / Staatsministerium Baden-Württemberg
Die Ministerpräsidenten Stefan Mappus und Kurt Beck
 Foto: Michael WallrathRoßwog: Die Strukturen gezielt weiterentwickeln