25 Jahre Württemberger Weinwanderweg
Seit 25 Jahren begleitet jetzt die rote Traube Wanderer durch die Württemberger Weinlandschaft. Der Schwäbische Albverein pflegt den Württemberger Weinwanderweg.

News

17.12.2010

Weinbauverband lässt Jahr mit Jungwein-Verkostung ausklingen

Mit einer vielversprechenden Jungwein-Verkostung hat der Weinbauverband Württemberg in Lauffen das Jahr 2010 ausklingen lassen. Präsident Hermann Hohl zog eine Erntebilanz, gab Prognosen zur Weinpreis-Entwicklung, informierte über die nächsten Strategien in Sachen EU-Weinmarktreform, kündigte Veränderungen bei der Landesweinprämierung an und gab einen Ausblick auf Veranstaltungen 2011.

Weinbauverbands-Präsident Hohl: „Qualität hat ihren Preis“
Gehen die Wengerter zur Demonstration nach Brüssel?
Landesweinprämierung soll „transparenter“ werden
Weininstitut Württemberg plant Weinpräsentation im Land

„Wir werden mit allen Mitteln kämpfen müssen.“ So schätzt Württembergs Weinbauverbandspräsident Hermann Hohl den Diskussions-Stand um die EU-Weinmarktreform ein. Beim Jahresschluss-Pressegespräch des Verbandes am Wochenende in Lauffen schloss Hohl Demonstrationen in Brüssel nicht aus, „wenn vernünftige Argumente nicht ziehen“. „Wir werden in den nächsten Monaten Zähne zeigen müssen“, ist sein Eindruck nach dem „geballten“ Auftritt der Anbaugebiete Baden, Franken, Württemberg und von europäischen Weinbauregionen zusammen mit der Landesregierung Baden-Württemberg kürzlich bei der EU-Kommission.

„Ein Großflächenanbau kann nicht das Ziel unserer Qualitätspolitik im Weinbau sein“, bekräftigte Hohl die Haltung der Verbände: „Wir müssen den Betrieben, die Qualitätsweinbau auch in Steillagen betreiben, zukunftsfähig machen und ihnen Sicherheit auch im Blick auf die nächste Generation geben.“ Erhebliche Auswirkungen für die Landschaft erwartet Ulrich Maile, der Vorstandsvorsitzende der Lauffener Weingärtner e.G. beim Wegfall des Anbaustopps. Auf Lauffener Gemarkung liegen knapp 60 von insgesamt fast 600 Hektar terrassierte Steillagen in Württemberg. Maile: „Unsere Sorgenfalten wachsen. Das geht an die Existenz einzelner Betriebe.“  In den Steillagen stecke eine Menge Kapital, betonte Lothar Freihofer, Aufsichtsratsvorsitzender der Weingärtnergenossenschaft Mundelsheim.

„Längst überfällig“ sind für Präsident Hohl Preiserhöhungen. Maile und Freihofer bestätigten: „Es ist höchste Zeit, damit wir wenigstens halbwegs vernünftig wirtschaften können.“ Hohl verwies auf die großen Anstrengungen im Qualitätsstreben in den letzten Jahren: „Unsere Betriebe sind dem Wunsch des Verbrauchers nach Spitzen-Qualität nachgekommen. Diese Anstrengung muss sich für den Wengerter auch rechnen. Qualität hat ihren Preis. Das muss der Verbraucher anerkennen.“ Nach dem kleinen Jahrgang 2009 nage jetzt auch die Ernte 2010 an der Existenz von Weinbaubetrieben. Der qualitativ hochwertige, aber mengenmäßig sehr geringe Jahrgang werde zu einem Strukturwandel in der Weinwirtschaft führen“ sagt Hohl voraus: „Nebenerwerbsbetriebe geben auf.“

 Das Qualitätsstreben will der Weinbauverband Württemberg auf unterschiedliche Weise dokumentieren. Hohl: „Wir werden die Landesweinprämierung auf den Prüfstand stellen.“ Wertiger und für den Verbraucher als Einkaufshilfe transparenter soll sie werden. In diesem Zusammenhang betonte Hohl die herausragende Stellung der DLG-Bundesweinprämierung und der Landesweinprämierung: „Es sind die per Gesetz geregelten offiziellen, neutralen und objektiven Wettbewerbe.“ Nur mit ihnen dürfe im Gegensatz zu privaten Wettbewerben auch auf der Flasche geworben werden. Im Bereich Wein-Veranstaltungen rief Hohl zum gemeinsamen Handeln auf: „Eine Vielzahl von Präsentationen zum gleichen Termin im Anbaugebiet irritiert den Verbraucher.“ Außerdem komme die Wertigkeit der einzelnen Veranstaltungen bei dieser Häufung im eigenen Land nicht zum Ausdruck.

Präsident Hohl kündigte als Aufsichtsratsvorsitzender der Weininstituts Württemberg GmbH Planungen für eine zentrale Weinpräsentation im Großraum Stuttgart an, die „über das Anbaugebiet hinaus wirkt“. Als Termin nannte er voraussichtlich 2012. Das „Gipfeltreffen prämierter Weine und Sekte“ in Heilbronn bleibe daneben als Veranstaltung bestehen, für die sich die Betriebe besonders qualifizieren müssen. Aufgrund von konzeptionellen Veränderungen bei der „Grünen Woche“ im Januar in Berlin seien auch die Bundesländer aufgefordert, Nachfolgelösungen für die wegfallende Deutschlands-Präsentationshalle zu entwickeln.  

Im Focus der Presse: das Jahresschluss-Gespräch des Weinbauverbandes mit (von links) dem neuen Vizepräsidenten Peter Albrecht, Ulrich Maile (Vorstandsvorsitzender der Lauffener Weingärtner e.G.), Präsident Hermann Hohl sowie den aus Lauffen stammenden Württemberger Weinprinzessinnen Natascha Wörthmann und Julia Höllmüller.

Kommentar in der Heilbronner Stimme vom 20.12.2010

Flagge zeigen von Kilian Krauth

Von Bauern ist man ja einiges gewohnt. Sie machen gerne mal mit spektakulären Aktionen auf ihre Anliegen aufmerksam. Dass aber Weingärtner auf den Putz hauen wollen, ist neu. Verbandspräsident Hermann Hohl schließt im Kampf gegen die Ausweitung der Rebflächen Demonstrationen nicht mehr aus. Auf politischem Wege scheint der Zug abgefahren zu sein. Wer weiß, vielleicht lässt sich in Sachen EU-Weinmarktreform ja auf der Straße noch etwas bewegen.

Den Württemberger Wengertern wären ähnlich viele Mitstreiter zu wünschen wie den Gegnern des Bahnprojektes Stuttgart 21. Parallelen scheinen gewagt. Aber nichts Geringeres als Teile unsere Kulturlandschaft stehen auf dem Spiel. Das sollte alle kümmern.

Lange war vielen Schwaben gar nicht bewusst, wie schön ihre Heimat ist. Inzwischen wissen selbst die größten Italien-Fans die Reize von Neckartal, Zabergäu oder Kraichgau zu schätzen. Ein wichtiger Teil dieser über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft sind Weinberge, vor allem die mit Reben bepflanzten Terrassen entlang der Flusstäler. Lauffen, Hessigheim oder Mundelsheim hätten sogar das Zeug zum Weltkulturerbe, meinen manche.

Solche vielleicht etwas gewagten Visionen drohen zum Alptraum zu werden. Denn ab 2015, spätestens ab 2018 ist es europaweit erlaubt, auch auf Rübenäckern und Weizenfeldern Reben zu pflanzen. In solchen Flachlagen lässt sich Wein natürlich bequemer und billiger produzieren als an Hängen und Steillagen. Die Wengerter fürchten, dass sie bald rein preislich nicht mehr mithalten können. Die Folgen liegen auf der Hand: Betriebe werden schließen oder umsatteln müssen, Rebanlagen werden verwildern − wie jetzt schon im Kocher- und Jagsttal. Darunter würde auch das zarte Pflänzchen Tourismus leiden.

Schon seit Jahren macht sich der Weinbauverband deshalb für den Erhalt abgegrenzter Rebflächen stark. Vergeblich. Die Brüsseler Politik hat versagt. Ob da Demos noch etwas bewirken?

Nun, wer sich scheut, kann auch im Alltag Flagge zeigen und etwas für seine Heimat tun: Indem er die Arbeit der Landwirtschaft angemessen honoriert und etwa beim Weineinkauf nicht nur auf Billiges und Exotisches schielt.

 

 

Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gemeinsam für Anbaustopp
21.09.2010Die Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg haben sich dafür ausgesprochen, am Anbaustopp für Reben über die Jahre 2015 beziehungsweise 2018 hinaus entgegen den Beschlüssen der EU festzuhalten. Z