
14.04.2011
Eine konstruktive Zusammenarbeit „zum Wohle des Landes, seiner Menschen und Landschaften“ bietet der Präsident des Weinbauverbandes Württemberg der künftigen Landesregierung an. Hermann Hohl nannte auf der Mitgliederversammlung des Verbandes am Donnerstag (14. April 2011) in Besigheim als aktuelle Themen die Fortführung des beispielhaften Struktur- und Qualitätsprogramms Baden-Württemberg, die Bündelung der Kräfte im Blick auf die Neuausformung der EU-Weinmarktreform, den Steillagenweinbau, die Zukunft der Weinbauinstitute und der Aus- und Weiterbildung, Gemeinschaftswerbung auch über Messen und Weintourismus, die Aufklärung über verantwortungsbewussten Weinkonsum und die Erhaltung und Ergänzung der Fachkompetenz im künftigen Ministerium. Hohl: „Wichtig ist uns die Festigung des bewährten Schulterschlusses zwischen Weinwirtschaft, Politik und Verwaltung als verlässliche Partner, die in den maßgebenden Gremien zum Wohl der heimischen Weingärtner mit einer Zunge reden.“ Das Weinland Württemberg gelte in Deutschland als Vordenker. Das solle so bleiben.
Die Geschlossenheit in Baden-Württemberg zeige in Berlin und Brüssel Wirkung, sagte Hohl: „Wir dürfen nicht locker lassen.“ Bis zur Halbzeitbewertung der derzeitigen Weinmarktordnung im Jahr 2012 sei noch viel Arbeit zu leisten. Die Landesregierung hat inzwischen alle 99 deutschen Abgeordneten im Europäischen Parlament über die erfolgreiche Bundesratsinitiative der Weinländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland zugunsten einer Verlängerung des Anbaustopps für Reben bis Ende 2025 informiert.
Im Weinland Württemberg müssten rechtzeitig zukunftsfähige Strukturen im genossenschaftlichen, aber auch im selbstvermarktenden Bereich geschaffen werden, forderte Hohl. Die Schaffung von Schwerpunktbetrieben sei „wegweisend für die Existenzsicherung unserer weinbautreibenden Betriebe und Familien“. Wichtig sei auch die Sicherung der gebietstypischen Sorten wie Riesling, Trollinger und Lemberger. Sie dürften bei der Etikettierung von Weinen ohne geschützte Herkunftsangabe nicht verwendet werden, um die Kunden nicht zu verwirren. Hohl: „Regionale Herkunftsbegriffe im Bezeichnungsrecht werden konsumentenfreundliche Bedeutung haben.“
Der Weinbauverbands-Präsident kündigte eine Fortschreibung der 2006 einstimmig verabschiedeten Leitlinien für die Württemberger Weinwirtschaft an. Auch eine Aufwertung der Landesweinprämierung werde vorbereitet.

Mitgliederversammlung des Weinbauverbandes Württemberg in Besigheim

Dr. Rudolf Nickenig in Besigheim
Der Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbandes, Dr. Rudolf Nickenig, setzte sich bei der Mitgliederversammlung mit der nationalen und regionalen Umsetzung des neuen EU-Bezeichnungsrechts auseinander: „In Brüssel will man nicht verstehen, dass Wein im Gegensatz zu Kraut und Rüben ein Kulturgut ist, dass spezifische Regelungen bedarf!“ Auch er unterstrich die Bedeutung der Herkunftsangaben als wichtigstes Differenzierungskriterium in einem globalisierten Weinmarkt: „Die Herkunft gewinnt an Bedeutung. Sie ist das wichtigste Differenzierungsmerkmal und muss mit einer bestimmten Qualität verbunden sein. Das Image bestimmter Anbaugebiete oder Bereiche ist eng mit bestimmten Rebsorten verbunden, zum Beispiel Trollinger und Lemberger mit Württemberg.“ Wenn „Deutsche Trollinger“ möglich seien, müssten die „Alarmglocken klingeln. Die Verwendung dieser Rebsorten für einfache Weine sei der Profilierung abträglich. In Zukunft müssten Weine, um eine bestimmte Herkunft tragen zu dürfen, festgelegte qualitative Mindestvoraussetzungen erfüllen: „Die Profilierung ist wichiger denn je.“ In Württemberg seien die Vorbereitungen für eine Profilierung schon weit gediehen.
Staatssekretärin: „Politik und Weinbauverbände Hand in Hand.“
„Der Weinbau ist eines der Aushängeschilder unseres Landes. Dies konnten wir auch bei der ARTVINUM in der vergangenen Woche wieder unter Beweis stellen. Dabei gehen Politik und Weinbauverbände Hand in Hand. Wir können stolz sein auf das, was wir in den vergangenen Jahren gemeinsam geschafft haben", betonte die Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, Friedlinde Gurr-Hirsch, anlässlich der Mitgliederversammlung des Weinbauverbandes in Besigheim. Dabei stehe der Erhalt des Anbaustopps nach wie vor als „Dauerbrenner“ und Herausforderung an Berufsstand und Politik auf der Tagesordnung. „Wir müssen dran bleiben und Bündnispartner suchen. Über unsere Bundesratsinitiative haben wir schon viel erreicht", so die Staatssekretärin. Bei den Herkunftsangaben bei Wein - dem geografischen Ursprung und der geschützten geografischen Angabe - sei es im engen Zusammenschluss gelungen, Altbewährtes und Neues sinnvoll zu verbinden. Auch das auf Grundlage der aktuellen Weinmarktordnung weiterentwickelte Struktur- und Qualitätsprogramm Weinbau sei ein gemeinsamer Erfolg. Das Förderprogramm sei hervorragend auf die Bedürfnisse des Berufsstandes zugeschnitten und werde sehr stark nachgefragt. Dies zeige sich sowohl in den nach wie vor großen Antragszahlen für die Umstrukturierung und Umstellung als auch in der intensiven Nachfrage bei den Kellerei- und vermarktungswirksamen Teilen des Programms.

Einstimmige Entlastung gab es nach dem letzten Geschäftsbericht, den Direktor Karl Heinz Hirsch auf der Mitgliederversammlung vortrug. Er geht zum Jahresende in Ruhestand.
Geschäftsbericht Weinbauverband Württemberg 2010
Goldene Ehrennadeln
Sechs Goldene Ehrennadeln wurden bei der Mitgliederversammlung des Weinbauverbandes Württemberg e.V. in Besigheim an Persönlichkeiten verliehen, die in enger Verbindung zum Weinbau stehen. Ulrich Allmendinger (Vaihingen) war von 1982 an über 18 Jahre als Aufsichtsrat und Vorstandsvorsitzender an der Spitze der WG Roßwag-Mühlhausen, die er zukunftsorientiert mit weiteren Betrieben zusammenführte und für die er mit dem Kelterneubau sowie mit Investitionen in Traubenverarbeitung und Weinverkauf Meilensteine setzte. Friedrich Böhringer (Pfedelbach) war 20 Jahre (1990-2010) als Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender in der Verwaltung der WG Heuholz tätig. Ulrich Maile (Lauffen am Neckar) steht seit 1977 als Aufsichtsrat, Vorstand und seit 1993 als Vorstandsvorsitzender in der Verantwortung für die Lauffener Weingärtner e.G. In Fachgremien von Weinbau- und Genossenschaftsverband bringt er sein Wissen ein. Als früherem Funktionär der Landjugend fördert er die Initiative junger Wengerter in der WG. Bürgermeister Harry Murso (Obersulm) geht in Ruhestand und hat sich engagiert für den Weinbau, insbesondere bei Rebflurbereinigungen, im Weintourismus, aber auch für die Vertiefung der Partnerschaft mit der Weinbaugemeinde Rohrendorf in Österreich eingesetzt. Lothar Neumann (Schwaigern) steht seit über 20 Jahren als Weinbauberater bei den Landwirtschaftsämtern Backnang und Heilbronn an der Seite der Wengerter. Siegfried Röll (Bretzfeld) scheidet Ende Juni nach 35 Jahren als Betriebsleiter des Weinguts Fürst Hohenlohe-Oehringen aus, ist Mitbegründer der HADES-Gruppe 1986 sowie des Barrique-Forums und Vorreiter der Cuvée-Bereitung in Württemberg. Als Prüfer bei der Qualitätsweinprüfung und Landesweinprämierung, aber auch bei Meister- und Gesellenprüfungen setzt er Qualitätsmaßstäbe.

Goldene Ehrennadeln (von links): Präsident Hermann Hohl hat sie zusammen mit Weinkönigin Karolin Harsch an Lothar Neumann (Schwaigern), Harry Murso (Obersulm), Ulrich Maile (Lauffen), Friedrich Böhringer (Pfedelbach) und Ulrich Allmendinger (Vaihingen) überreicht.
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