
13.05.2011
Minister Bonde setzt Arbeitsgruppe ein: "Hilfe schnell und unkompliziert"
Der baden-württembergische Minister für den Ländlichen Raum und Verbraucherschutz hat den vom Frost betroffenen Weingärtnern "schnell und unkompliziert" Hilfe des Landes zugesagt. Eine sofort eingesetzte Arbeitsgruppe wird im Ministerium mögliche Hilfsmodelle entwickeln, sagte Minister Alexander Bonde am Freitag (13. Mai 2011) bei einem Vorort-Termin in Beckstein; "Hier geht es um die existentielle Situation. Wir wissen, welchen Stellenwert die Branche hat."

Der Minister war umgehend nach seinem Amtsantritt am Vortag ins Taubertal gekommen, um sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen und gemeinsam mit den Betroffenen, den Weinbauverbänden von Baden und Württemberg und dem Landesverband Erwerbsobstbau mögliche Lösungsansätze zu erörtern. Der Minister appellierte dabei auch an die Hausbanken der jeweiligen Betriebe, alle Möglichkeiten der Hilfestellung zu prüfen: "Die Finanzbranche ist in der Verpflichtung."

Harald Wohlfahrt, Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, Minister Alexander Bonde, Präsident Hermann Hohl und Weinguts-Besitzer Hubert Benz (Bilder: Gerhard Schwinghammer)
Die Weinbau-Präsidenten von Baden und Württemberg schilderten die aktuelle Lage. Kilian Schneider sprach von 650 bis 700 "sehr stark betroffenen" Hektar vor allem im Taubertal. "In Württemberg ist die Lage dramatischer", stellte Hermann Hohl fest. Die Schadensfläche bezifferte er auf 3000 Hektar, davon 1500 Hektar mit Totalausfall. Hohl beziffert den betriebswirtschaftlichen Schaden auf 30 Millionen Euro, den volkswirtschaftlichen auf 120 Millionen Euro. Die Sofort-Hilfen müssten sehr schnell anlaufen, denn der "Lebensnerv vieler Betriebe" sei bis zur Existenzgefährdung betroffen.

Präsidenten Hermann Hohl (links) und Kilian Schneider (rechts) mit Minister Alexander Bonde und Ministerialdirektor Wolfgang Reimer
Schon zeichneten sich Betriebsaufgaben ab. Besonders junge Betriebsübernehmer, die zudem noch investiert hätten, stünden jetzt "fast schon wieder vor dem Aus". Auch in nachgeordneten Bereichen sei mit Folgeschäden zu rechnen. Hohl: "Es ist eine der schlimmsten Katastrophen der Weinwirtschaft."

Weinguts-Besitzer Konrad Schlör (Bild oben) aus Reicholzheim bekräftigte sprach das Zukunftsproblem angesichts der knappen Ernten 2009 sowie 2010 und des drohenden Totalausfalls 2011 an: "Wir halten wir unsere Kunden?"
Beobachter bezeichnen den Frost als schwersten seit mehr als zehn Jahren. Im Weinsberger Tal wird der Totalschaden auf 30 Prozent der Rebfläche geschätzt, im Kocher-Jagst-Gebiet auf 80 Prozent, im Zabergäu/Heuchelberg auf 50 Prozent. Glimpflich davon gekommen sind der Raum Stuttgart/Remstal mit voraussichtlich 10 Prozent Ausfall und der Kraichgau. Eines ist jetzt schon sicher: Die ohnehin nur spärlich gefüllten Keller der Genossenschaften und privaten Weingüter werden früher als üblich leer sein. Bei Weißwein bestehen bereits Lieferengpässe.
Hohl: „Wir stellen uns Unterstützung des Landes als Finanzhilfe ab einer zu definierenden Schadensschwelle bis zu einem Höchstbetrag vor. Das Maßnahmenbündel soll eine schnellstmögliche Hilfe zum Ziel haben. Antragsprozeduren, die zeitliche Abwicklung, Aspekte wie Bankenkredite müssen noch ausgeformt werden.“Den Bodensee-Wein- und Obstbauern hat das Land nach dem Hagelschaden vor zwei Jahren mit einer Finanzspritze geholfen.
Sobald die Einzelheiten klar sind, bietet der Weinbauverband Württemberg Sprechstunden für Betroffene an. Hohl: „Die Politik kann ihre Hilfe nicht versagen. Schließlich steht der Fortbestand des Weinbaues in der Wein-, Genießer- und Urlaubsregion Württemberg auf dem Spiel.“ Einen "großen Verlust für das Genießer- und Urlaubsland Baden-Württemberg" sah auch Minister Bonde voraus, wenn es nicht gemeinsam gelinge, das zu verhindern: "Die Sonderkulturen haben einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert, sie prägen die Kulturlandschaften mit vielen positiven Effekten, beispielsweise auch in Bezug auf den Tourismus."

Minister Alexander Bonde (oben) und Ministerialdirektor Wolfgang Reimer (unten) im Gespräch mit Präsident Hermann Hohl
