
05.10.2011
Wenn sich Ausflügler beim Spaziergang durch die Weinberge an einigen Beeren stärken, drücken die meisten Wengerter ein Auge zu. Doch der Spaß hört auf, wenn ganze Rebzeilen illegal abgeerntet werden. Dies betont Württembergs Weinbaupräsident Hermann Hohl im Gespräch mit Kilian Krauth (Heilbronner Stimme).
Geht derzeit der Traubenklau um?
Hermann Hohl: Man könnte es fast meinen: zuletzt in Heilbronn, davor am Stromberg − und in der Pfalz sogar mit dem Vollernter; das ist aber ein Einzelfall. Grundsätzlich gilt: Diebstahl von Trauben gab es schon immer, eine Häufung sehe ich nicht.
Wer steckt wohl dahinter?
Hohl: Wenn ich das wüsste. Manche werden sich vielleicht ihren eigenen Saft oder gar Wein pressen. Dass sich Wengerter gegenseitig bestehlen, schließe ich aus.
Was kann man dagegen machen?
Hohl: Manche fordern ja schon die Rückkehr der Feldschützen, aber das würde wenig nützen. Zäune sind zu teuer, Netze helfen nur gegen Tiere. Klar ist: Jeder Diebstahl sollte bei der Polizei angezeigt werden. Mit einem Bußgeld ist es aber nicht getan. Da gibt es saftige Strafen. Ein Gutachter stellt zunächst den Schaden fest. Der liegt bei normaler Qualität bei mindestens einem bis zwei Euro pro Kilogramm, bei Selectionen und Eiswein beim X-fachen. 1000 Kilo schlagen da leicht mit 7000 Euro zu Buche. Klar ist: Traubenklau ist kein Kavaliersdelikt.